Spuren einer Sternenexplosion vor drei
Millionen Jahren im Pazifik entdeckt
Am Tandembeschleuniger der TU und LMU
München ist es gelungen, radioaktive Eisen-60-Atome
nachzuweisen, welche vor drei Millionen Jahren bei einer etwa 100
Lichtjahre weit entfernten Supernova erzeugt, durch das Weltall
geschleudert und schließlich auf der Erde abgelagert wurden.
Supernovae, d.h. Explosionen massereicher Sterne am Ende ihres Lebens,
gehören zu den energiereichsten Ereignissen im Universum.
Innerhalb weniger Sekunden werden Energien um die 1051 erg
freigesetzt,
kaum weniger als das, was unsere Sonnen in ihrem mehrere Milliarden
Jahre lange währendem Leben insgesamt erzeugen wird. Unter diesen
extremen Bedingungen werden in Kernreaktionen meist radioaktive Isotope
schwerer Elemente synthetisiert. Nach der Explosion wird der
Großteil dieses Material in den Weltraum geschleudert, wo es sich
über Distanzen von mehreren hundert Lichtjahren ausbreiten kann.
Befände sich unsere Erde in einem geringeren Abstand zum
Explosionsort, könnte eben dieses kurz vor der Explosion erzeugte
Material direkt bei uns deponiert werden. Dessen Nachweis würde
somit einen eindeutigen Hinweis auf eine nahe (d.h. weniger als
einige hundert Lichtjahre von der Erde entfernte) Supernova liefern.
Nun sind Supernovae allerdings ein relativ seltenes Phänomen: In
unserer ganzen Galaxie findet nur etwa alle 30 Jahre eine Explosion
statt, eine Supernova im besagten Abstand von der Erde lässt sich
nur alle paar Millionen Jahre erwarten. Dies machte es natürlich
notwendig, die Suche auf einem entsprechend langen Zeitraum
auszudehnen.
Am Beschleunigerlabor der LMU und TU München gelang mit der
Methode der Beschleuniger-Massenspektrometrie der Nachweis von
radioaktivem Eisen-60. Dieses Radionuklid mit einer Halbwertszeit von
1,5 Millionen Jahren wird innerhalb unseres Sonnensystem praktisch
nicht erzeugt, während bei einer einzigen Supernova allein von
diesem Nuklid eine Menge mit der zehnfachen Erdmasse entstehen kann.
Messbare Eisen-60-Konzentrationen in terrestrischen Proben lassen somit
zwingend auf eine Supernova-Herkunft schließen. Die Messproben
stammen aus einer so genannten Tiefsee-Mangankruste verwendet (siehe Abbildung 1).
Die Kruste wurde aus einer Tiefe von knapp 5000 Metern vom Grund des
pazifischen Ozeans geborgen. Dort wuchs sie über mehrere Millionen
Jahre lang mit einer Geschwindigkeit von lediglich 2,5 Millimetern pro
Million Jahre. Einer Schicht in einer bestimmten Tiefe, beispielsweise
zehn Millimeter unter der Krustenoberfläche, kann somit ein Alter
zugeordnet werden, in diesem Fall vier Millionen Jahre. Insgesamt wurde
in 28 unterschiedlich alten Schichten nach supernovaproduziertem
Eisen-60 gesucht. In Abbildung 2 sind die
Ergebnisse dieser Messreihe dargestellt. Aufgetragen ist die
Eisen-60-Konzentration gegen das Alter der jeweiligen Schicht in
Millionen Jahren. Wie erwartet, ergibt sich für die meisten
Schichten kein vom Messuntergrund (dargestellt durch die gestrichelte
Linie) zu unterscheidendes Eisen-60-Signal. In den etwa drei Millionen
Jahre alten Schichten jedoch wurde eine deutliche
Eisen-60-Überhöhung gemessen, eine Überhöhung, die
genau mit dem erwarteten Eisen-60-Niederschlag durch eine Supernova in
einem Abstand von einhundert Lichtjahren übereinstimmt.
Dieses zeitlich klar aufgelöste Signal ermöglicht nun die
Suche nach weiteren Folgen dieser Supernova. So sind die
Explosionsfronten von Supernovae die Ursache kosmischer Strahlung:
Protonen des interstellaren Mediums werden hier durch turbulente
Magnetfelder auf hohe Energien beschleunigt. Simulationsrechnungen, die
von unserem Kollaborationspartner Ernst
Dorfi von der
Universität Wien durchgeführt wurden, zeigen, dass solch eine
nahe Supernova zu einer Erhöhung der galaktischen kosmischen
Protonenstrahlung für einen Zeitraum über 100 000
Jahren führen kann.
Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass durch die Wechselwirkung
der kosmischen Strahlung mit der Erdatmosphäre möglicherweise
Kondensationskeime zur
Wolkenbildung erzeugt werden, eine erhöhte kosmische Strahlung
somit zu einer Abkühlung auf der Erde führen könnte.
Eine solche
langfristige und starke Abkühlung vor drei Millionen Jahren ist
durch Messungen von Sauerstoffisotopen eindeutig belegt, während
alle bisherigen Erklärungsversuche dieses Klimawechsels
umstritten sind. Dieser Klimawechsel erzeugte unter den Hominiden einen
starken Evolutionsdruck. Drastische Evolutionsschritte, unabdingbar
für die Entstehung des homo sapiens, fanden in genau diesem
Zeitraum statt. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass ein wichtiger
Grund für unsere Existenz ein gewaltiges kosmisches Ereignis ist,
dass mehrere Millionen mal weiter von uns entfernt war, als unsere
Sonne.
Klaus Knie
Referenz:
K. Knie, G.
Korschinek, T. Faestermann, E.A. Dorfi, G. Rugel and A. Wallner.
60Fe Anomaly in
a Deep-Sea Manganese Crust and Implications for a Nearby Supernova
Source.
Physical Review
Letters 93, 171103 (2004).
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